Boris Yoffe English Deutsch Русский
Boris Yoffe uber das Quartettbuch:

"Das erste Blatt aus dem Quartettbuch habe ich 1995 geschrieben; ein Stück, dann noch einige von gleicher Textur und ungefähr gleicher Länge - ich beschloss, einen Zyklus von ca. 20 solchen Stücken zu schreiben („Quartettbuch“). Als sie fertig waren, hatte ich aber das Gefühl, dass mit diesen Quartetten etwas wahrhaft Schönes entsteht, und wollte einen Jahreszyklus aus 365 Stücken zu schreiben versuchen. Dafür habe ich ungefähr drei Jahre gebraucht, und merkte nicht, als die Nummer 365 (eigentlich sind die Stücke nicht nummeriert) schon vorbei war.

Trotz meiner Vorliebe für Theoretisieren, Analysieren und Philosophieren kann ich über mein Quartettbuch nichts sagen. Diese Arbeit beansprucht mein ganzes Wesen - die Intuition gleichermaßen wie den Verstand; es gibt für mich im Moment keine Möglichkeit, sie „von draußen“ zu bewerten."


Patricia Kopatchinskaja

"Das Quartettbuch von Boris Yoffe ist ein einzigartiger musikalischer Seelen-Raum für Beichte, Meditation, Mystik und höchste Konzentration zu viert. Es ist mit keiner anderen Musik zu vergleichen. Nirgends sonst kenne ich diese Art von asketischer Poesie und Reinheit."

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja spielt auf folgenden CDs Musik von Boris Yoffe:
32 Gedichte aus dem Quartettbuch (Antes Edition, 2004)
Musical Semantics (Megadisc, 2007)


Der Gambist Ekkehard Weber

"Neben aller quasi konstruktiven Intellektualität, die Yoffes Musik fraglos auch besitzt, gilt es, emotionale, atmosphärische, rhetorische Qualitäten herauszuarbeiten, zuweilen auch humorvolle, fast witzige.

Man ist versucht, diese konzentrierte, auf das Wesentliche verdichtete kleine Form eines dreizeiligen Quartettsatzes mit einem japanischen Haiku zu vergleichen, aber Yoffes Stücke sind weitaus vielfältiger in ihrer Aussage und bei weitem nicht nur Naturbeschreibung. Vor allem aber nehmen sie immer wieder aufeinander Bezug, hängen zusammen, formen sich zu mehr oder weniger umfangreichen Zyklen. Andere Vergleiche legen sich nahe, zum Beispiel mit der Notre-Dame-Schule des 12. Jahrhunderts. In Wirklichkeit jedoch, man muss es beim Namen nennen, ist das Quartettbuch von Boris Yoffe unvergleichlich!"

Der Gambist Ekkehard Weber spielt des Öfteren Musik von Boris Yoffe, zu hören beispielsweise auf der CD "Symphony" (Wildner Records, 2011).


© U. v. Loeper
Andreas Rainer

"These very short musical poems are not marked with phrasings, dynamics, articulation or tempo. The musicians have to draw all that from harmony, counterpoint and Satz. Seemingly many interpretations are possible – just seemingly though; never underestimate the power of harmony, the power of tradition, and the rules of plain musicality. Quite a profound, but of course tricky way to find out about the values and pitfalls of liberty and freedom – and not only musically. To learn about possibly satisfying but short-term musical nonsense. To learn the true weight of your personal values of conviction – and about being true to them! There’s no help; it's just music. These pieces are not meant as études, but they are the best school to learn what freedom and creativity really are in the light of the manifold and enormous powers of plain music. Learning and playing those works separates the instrumentalists from the musicians. And from a quartet player's technical point of view, the rhythmic simplicity of the scores highlights the necessity and difficulty to play absolutely together – to phrase together, let notes grow and decline together. And then there is intonation. Did I mention intonation?"

Andreas Rainer, Primarius des Rosamunde Quartetts, ist mit seinem Quartett und dem Hilliard Ensemble auf der CD “Songs of Songs” (ECM, 2012) zu hören.